Hilfe, die ankommt (Stand Anfang April 2022)

Die Kooperation des Deutsch-Ukrainischen Forums mit der Johanniter-Unfall-Hilfe erweist sich als ausgesprochen schlagkräftig. Noch im Februar, kurz vor Kriegsbeginn, lieferten die Johanniter-Weihnachtstrucker zwei LKWs mit über 2.500 Weihnachtspaketen nach Poltawa. Davon sollten eigentlich 500 Pakete nach Kyjiw. Aber dann brach der Krieg aus und so wurde entschieden, diese Pakete besser in Poltawa an die dort eintreffenden Flüchtlinge aus der Ostukraine zu verteilen.

Um schnell Hilfe leisten zu können, wurde ein weiterer LKW mit gut 1.200 Weihnachtspaketen beladen, die noch in Deutschland im Lager standen und eigentlich für die Verteilung in Deutschland gedacht waren. Diese gingen unkompliziert nach Luzk, wo sie zum Teil auch nach Schytomyr weitergeleitet wurden.

Außerdem lag Geld bereit, mit dem ursprünglich wieder ab März 2022 Aktionen in der Ukraine wie im vergangenen Jahr starten sollte. Doch der Krieg änderte die Planung und so wurden von dem Geld in Deutschland Hilfsgüter gekauft, die nach Luzk, Lwiw, Poltawa, Schytomyr und Dnipro gingen.

Die Auslandshilfe der Johanniter und die Dachorganisation „Aktion Deutschland hilft“, bei der auch die Johanniter-Unfall-Hilfe Mitglied ist, versorgen seit Kriegsbeginn ihre Partner in den Grenzregionen von Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn mit Hilfsgütern, um den dort ankommenden Flüchtlingen helfen zu können.

Hilfsgüter bedeuten, neben Lebensmittel, wie langhaltbare Nahrungsmittel, Babynahrung und Windeln sowie Hygieneprodukte, vor allem Medikamente, medizinisches Verbrauchsmaterial und medizinisches Gerät, das in die Ukraine gebracht wird. Die Hilfslieferungen kommen aus ganz Westeuropa, wie Deutschland, Polen, Portugal, Finnland oder Frankreich in zentralen Sammelstellen an, wo sie in kleinere Einheiten aufgeteilt werden. Es gibt Familienpakete, Kinderpakte, Hygienepakte (für Mann und Frau) und Paket für kinderreiche Familien, für Alleinerziehende oder für Flüchtlinge aus anderen Regionen des Landes.

Teil dieser freiwilligen Helfer ist unser Hauptpartner: die im Aufbau befindliche ukrainisch-orthodoxe Organisation ELEOS-Ukraine, die mit der Caritas, bzw. Diakonie vergleichbar und überkonfessionell tätig ist. Bereits 2021 arbeiteten die Johanniter über das Deutsch-Ukrainische Forum mit dieser Organisation und ihrem Netzwerk, um im Land gekaufte Lebensmittel über ihre Zweigstellen an Bedürftige zu verteilen – vor allem an Kinder, kinderreiche Familien und alte Menschen.

Ein direkter Einblick, wie Hilfe ankommt, aus Schytomyr:

„Die ersten Tage waren die schlimmsten. Mein Jüngster ist um 3 Uhr nachts weinend aufgewacht und konnte nicht schlafen. Ich habe ihn mit einem ukrainischen Wiegenlied in den Schlaf gesungen, währen russische Flugzeuge und Raketen unterwegs waren und unser Land angriffen. Mein Mann weckte mich gegen 7 Uhr morgens mit den Worten: „Es ist Krieg.“, erzählt Lydia K. aus Schytomyr, Mutter von zwei Kindern (10 und 4 Jahre).

Für viele Bewohner der Stadt war unklar, wie es weiter geht. Werden die Luftangriffe verstärkt? Wird die Stadt von russischen Truppen besetzt? Viele rechneten mit dem Schlimmsten. Es stand die Frage im Raum: Bleiben oder gehen? Und wenn gehen, wohin? Ins Umland auf die Dörfer? Richtung Westen oder Süden? Oder gar ins Ausland – nach Polen, Deutschland, Rumänien?

Lydia K. ist mit ihrer Familie aufs Land gefahren, in das Haus ihrer Großeltern. Lydias Mutter hatte bereits einen Luftschutzkeller mit Lebensmittel und Betten eingerichtet. Sogar ein Heimkino für die Kinder gab es dort. Der Keller diente bereits im Zweiten Weltkrieg als Zuflucht für die Bewohner des Dorfes.

Als die russischen Besatzer wieder abzogen, kehrte die Familie wieder nach Schytomyr zurück. Sie lebten von Erspartem das zur Neige ging und durch die Hilfe der Johanniter kommen sie über die Runden. In Schytomyr benötigt man einen Berechtigungsschein, um Hilfe zu bekommen. Lydia K. bedankt sich dafür überschwänglich und schämt sich, auf Hilfe angewiesen zu sein.

Auch medizinische Geräte und Verbrauchsmaterialien sowie Medikamente erreichten die Krankenhäuser von Schytomyr, von wo aus sie an umliegende Gesundheitseinrichtungen weiterverteilt wurden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Poltawa in der Zentralukraine, von wo aus ein Teil der Medikamente und medizinisches Verbrauchsmaterial in die hart umkämpften Städte Charkiw und Sumy unter Lebensgefahr gebracht wurden. Empfänger waren hauptsächlich Kinderkrankenhäuser und Geburtskliniken, aber auch Allgemeinkrankenhäuser und sogar ein Leichenschauhaus, wo die Toten hingebracht werden.

In Dnipro kommen derzeit tausende Flüchtlinge aus den weiter östlich gelegenen Gebieten an. Dort sind auch Geflüchtete aus Mariupol. Die Johanniter konnten drei LKWs dorthin liefern – einer mit Babynahrung, Windeln und Hygieneprodukten; die beiden anderen voll mit Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial. Gerade ist ein LKW mit dringend benötigten Krankenhausbetten unterwegs, die vom Bürgermeister der Millionenmetropole angefragt waren.

Lwiw ist ein zentrales Tor in die Ukraine, von wo aus über Freiwillige mit Fahrzeugen oder der Eisenbahn Hilfsgüter weitergeleitet werden. Auch Czernowitz an der ukrainisch-rumänischen Grenze fungiert als solches Tor und dort sind die Johanniter ebenfalls aktiv. Unsere universitären Partner, mit denen wir 2020 mehrere Projekte zur Erinnerungskultur durchführten, organisieren die landesweite Verteilung über ihre Netzwerke.

Hilfe wird überall benötigt und es ist nicht absehbar, wann das Leid aufhört. Deshalb unsere dringende Bitte: Helfen Sie zu helfen. Wie dargestellt, kommt die Hilfe dort an, wo sie benötigt wird.